REZENSION: Das blaue Herz - Teil 1 von Thomas Plum & WOLFY-OFFICE

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Markus G
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REZENSION: Das blaue Herz - Teil 1 von Thomas Plum & WOLFY-OFFICE

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Blaues Herz – Teil 1
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Inhalt: Hans Berg (Ekkehardt Belle), ein pensionierter Kommissar, wird auf der Fahrt zu seiner Ehefrau von einer Lawine überrascht. Er kann sich in ein riesiges Anwesen in den Bergen retten, welches sich als Mädcheninternat mit dem Namen Waldblick entpuppt. Der pensionierte Kommissar findet in dem Internat Unterschlupf vor der Naturgewalt, doch leider trifft er dort auch auf etwas, was er hinter sich lassen wollte. Hans Berg hatte gehofft Verbrechen und Tod „zu den Akten zu legen“, wird jedoch auf eine andere Art mit seinem alten Beruf konfrontiert.

Persönliche Meinung: Das Duo Thomas Plum und Kim Witzeleitner (Wolfy-Office) veröffentlicht nach dem „Video-Integrator“ und „113 (Nachrichten)“ mit „Blaues Herz“ am 19.11. ihr bereits drittes gemeinsames Hörspiel. Wolfy-Office hat sich in den letzten Jahren mit einer Vielzahl an Produktionen unter Hörspielfans einen Namen gemacht. Ich selbst wurde erstmals durch die Hörspiel-DVD „Blood Red Sandman“ auf das Label aufmerksam. Während ich den Video-Integrator als ambitioniertes Projekt erleben durfte , dasmeinen Geschmack nicht in allen Punkten genau treffen konnte, empfand ich „113 (Nachrichten)“ als ein in jeder Hinsicht unterhaltsames und originelles Hörspiel. Ich war nun mehr als gespannt darauf in welche Richtung Thomas Plums nächster Wolfy-Office Streich gehen würde. Würde es mir nun blau, kalt oder warm ums Hörspielherz werden? Lest selbst....

Story: Befriedigend – Ein einsames in den Wäldern liegendes Mädcheninternat, ein alter Kommissar, ein Schneesturm, der ein Fortkommen unmöglich macht, ein Telefon, das nicht mehr funktioniert, ein fürchterliches Verbrechen und eine Handvoll v Tatverdächtiger sind die Zutaten für dieses von Thomas Plum ausgedachte Kriminalstück. Diese Eckdaten lesen sich für mich als Fan von Agatha Christies Büchern wie „Ten little Indians“ großartig. Leider trübt die zu lange Laufzeit mein Hörvergnügen. Die Story braucht doch einiges an Zeit um in Gang zu kommen. Hier wäre möglicherweise weniger Hintergrundinformation rund um den Kommissar durchaus hilfreich gewesen alles lebendiger erleben zu dürfen. Der Anfang hört sich mehr nach einem „Ein-Mann-Stück“ an. Trotzdem macht dieser zweite immer wieder angedeutete Handlungsstrang abseits des Kriminalfalles rund um des Kommissars auf Kur befindlicher Frau Ulrike neugierig. Geht Ulrike fremd oder braucht sie einfach Abstand von ihrem Mann? Bei der Wahl der Namen erweist sich Thomas Plum als ausgesprochen erfinderisch diesen einen „guten“ Klang zu geben. Die Nachnamen Berg, Sturm oder Garmisch passen wunderbar in eine Schneelandschaft und erzeugen in mir ein schönes Bild. Auch eine Schülerin mit Namen „Safaia“ lassen Erinnerungen an Angel Heart und seinem „Louis Cyphre“ wach werden und kurbeln mein Phantasiekino im Kopf ordentlich an. Ob es damit etwas auf sich hat? Im Laufe der Handlung wird eine Reihe von Fragen aufgeworfen, die am Ende darin gipfelt ob derjenige, der als Tatverdächtige präsentiert wird, tatsächlich auch der Bösewicht ist. Ohne hier zu viel spoilern zu wollen, so wird man darüber wohl endgültig erst mit Ende des zweiten Teiles Bescheid wissen. Denn es endet, wie sollte es bei einem Zweiteiler auch anders sein, mit einem Cliffhanger.

Sprecher: Gut – Bei der Sprecherwahl bewiesen die Macher eine sehr gute Hand. Mit der unglaublich einprägsamen Stimme von Ekkehardt Belle verfügt man über einen Sprecher, der auch über einen längeren Zeitraum den Hörer und die Hörerin gekonnt durch ein Hörspiel führen kann. Trotz der für meinen Geschmack in manchen Passagen zu langen Erzählpassagen wird einem durch Belles Vortrag niemals langweilig. Volkram Zschiesche als Michael Sturm macht seine Sache ordentlich, wirkt mir manchmal etwas zu steril und zu wenig lebendig.
Die Sprecherinnen Sara Wegner, Angelika Osusko, Saskia Haisch und Henrike Tönnes passen sich gut dem Ambiente eines Mädcheninternats an. Egal ob „Zickenterror“ oder „strenge Direktorin“ die Sprecherinnen haben alles wunderbar drauf.

Musik: Sehr Gut – Das Hauptthema des Hörspiels, das immer mal wieder eingespielt wird, hat durchaus Ohrwurmcharakter. Zudem spiegelt es perfekt die damalige Zeit wieder. Man wähnt sich sofort in den 70iger Jahren. Hier hat Tom Steinbrecher wieder sein Genie aufblitzen lassen und die passende Musik zum passenden Hörspiel komponiert.

Technik/Ton: Gut – Das Sounddesign stammt ebenfalls von Tom Steinbrecher. Steinbrecher hat sich diesbezüglich in der Hörspielbranche einen Namen gemacht und wird von einer Vielzahl von Labels und Verlagen sehr gerne gebucht. Egal ob Schneelawine, Wind der vor dem Internat pfeift oder das alte Wählscheibentelefon, Tom trifft immer den richtigen Ton. Erinnert sich Hans Berg zurück so wird dies mit Hall unterlegt. Passiert das Verbrechen so schafft man es mit dem Sounddesign dieser Szene einen kurzen sehr unheimlichen und gruseligen „Touch“ zu geben. Wenn ich mir persönlich noch etwas wünschen würde, dann wäre es etwas mehr „Dampf“ auf den Boxen und den einen oder anderen Stereoeffekt auf der Anlage.

Ausstattung: vorerst Gut – Mir liegt das Rezensionsexemplar vor. Das Coverbild weiß zu gefallen. Das bläulich gehaltene Bild zeigt einerseits auf schöne Art und Weise das Mädcheninternat, andererseits passt es auch perfekt zum Titel und bringt die Kälte der Umgebung ins Hörspielzimmer. Der beigelegte EARL GREY samt Mini-Coverbild am Teebeutel lässt mein Sammlerherz genau so höher schlagen wie es die Wolfy-Office Briefmarken auf dem Kuvert mit dem Pressekit schneller klopfen ließ. In wie weit es diese Beigaben auch für die CD Ausgaben geben wird, wie das Booklet aussehen wird und ob die CD dann ähnlich bedruckt sein wird wie mein Rezensionsexemplar weiß ich nicht. Zum jetzigen Zeitpunkt kann ich aber mitteilen dass mir diese Ausstattung schon gut gefällt. In Verbindung mit den von Wolfy-Office bekannt gegebenen Informationen in Foren und Instagram kann man weiter festhalten, dass man sich hier von Seiten der Macher richtig toll ins Zeug geworfen hat. So macht es mir persönlich Spaß CDs zu kaufen und zu sammeln, da sie für mich einen Mehrwert gegenüber Download und Streaming aufweisen.

Gesamt: Gut – Die Produktion „BLAUES HERZ – Teil 1“ von Wolfy-Office hat mir insgesamt gut gefallen. Die Geschichte überzeugt mit einem klassischen Krimiplot auf Grund diverser Längen nur bedingt. Dafür lassen Sprecher, Ton, Sounddesign und voraussichtlich die Ausstattung nur wenig Wünsche offen. Die Krönung stellt für mich das gelungene Musikthema dar, das ab und an im Laufe der Geschichte in Variationen eingespielt wird und mich wie eine Zeitmaschine in die Siebziger Jahre zurück versetzen kann.

Fazit: „BLAUES HERZ – Teil 1“ erweist sich als durchaus gelungene Hörspiel-Produktion, bei der man nur auf Grund von Längen im Plot Abstriche machen muss. Sie macht Lust auf Teil 2 des Krimivergnügens.​
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