Hört ihr (Langzeithörspielhörer) Hörspiele mittlerweile mit anderen Ohren?

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SteSe
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Hört ihr (Langzeithörspielhörer) Hörspiele mittlerweile mit anderen Ohren?

Beitrag von SteSe » Mo 22. Apr 2019, 13:04

Ein Hallo an alle langjährigen Hörspielhörer,

mal die Frage in die Runde: Hört ihr Hörspiele mittlerweile mit anderen Ohren? Achtet ihr (verglichen mit euren Kinderohren von damals) mittlerweile darauf, WER da mitspricht? Befasst ihr euch mit den Sprechern, mit der Musik, mit der Machart des Ganzen, mit der Aussagekraft der Story, usw.?
Oder hört ihr eure z.B. Lieblingshörspiele noch genau so wie früher, obwohl diese womöglich Schwächen haben, die man bei neuen Hörspielen so nicht akzeptieren würde?

Oder auch was neue Produktionen angeht, die ihr kennen lernen möchtet: Hört ihr da wie mit Kinderohren und euch "reicht das aus" was ihr hört, Hauptsache ihr hatte Spaß und hört Schwächen gar nicht? Oder geht ihr als Erwachsener mittlerweile kritischer an neue Produktionen heran und hört mit erwachsenen, routinierten Ohren?

Ich muss sagen, dass es bei mir kritischer wurde und ich mit anderen Ohren höre. Zumindest höre ich die Qualität einer Produktion heraus, insbesondere ob ge-x-t wurde, oder ob das Dialogbuch Längen aufweist.
Und da werden mich viele Leute sicherlich nicht verstehen wenn ich sage, dass mir jedes neue BENJAMIN BLÜMCHEN Hörspiel in qualitativer Hinsicht mehr wert ist, als z.B. SHERLOCK HOLMES von Allscore. Letztere Serie finde ich nicht gut, obwohl alle die ich kenne Feuer und Flamme dafür sind. So toll die Haudegen Rode und Groeger sind, aber irgendwie ließ man in der Regie den beiden zu freie Hand und Griff vermutlich nicht in deren Spiel ein. Auch finde ich die Synthiemusik furchtbar und so manche Szenen leer. Damit meine ich, dass die Dramaturgie im Dialogbuch zwar stimmt, aber von den Sprechern und auch was die Abmischung betrifft irgendwie nicht passt.
Auch sprechen dort Schauspieler mit, die ich in anderen Serien anderer Label um Längen besser finde. Für mich definitiv insgesamt eine Regie-Sache. Oder, dass ein Sprecher für 20 Dialogbücher 3 Stunden im Studio war.

Jetzt nur mal diese Serie als Beispiel im Vergleich zu Benjamin Blümchen. Dort stimmt wiederum alles: Der Sprecher ist einfühlsam, die Geschichte wird ohne Längen erzählt, die Sprecher agieren untereinander passend, bzw. spielen sich den Ball zu, da meist im Ensemble aufgenommen. Die Regie achtet auf Differenzen in der Aussprache und im Schriftdeutsch.

Meines Wissens spielt man nachwievor im Ensemble vormittags das ganze Hörspiel durch (oder maximal 3 Stück) und nimmt dann nachmittags im Studio das trainierte auf. Mir ist auch bekannt, dass Kiddinx zumindest früher ganz andere Preise bezahlt hat. 4-stellige Stundenlöhne waren da keine Seltenheit. Vielleicht legten sich die Schauspieler da mehr ins Zeug, als wenn diese womöglich ein Zehntel der Gage bei anderen Labeln bekommen? Man weiß es nicht. Zumindest klingt es so, da qualitativ hochwertiger.

Gut, große Label haben ganz andere Möglichkeiten. Ich glaube, bei Kiddinx werden pro Monat maximal 2 Hörspiele abgemischt. Kann sein, dass andere "Abmischer" pro Woche (!) 2 Hörspiele abmischen und da einfach mangels Zeit ein anderes Ergebnis realisiert werden kann, also akustisch-gefühlt nicht so hochwertig.

Wie ist das wie gesagt bei euch? Seid ihr kritischer, oder ist euer Hörempfinden wie früher?
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